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  • AutorenbildLarissaLengg

Vorsätze und Schuldgefühle...

Aktualisiert: 16. März 2023

Ich möchte weniger Schimpfen, ich möchte weniger „schlechte“ Laune haben, ich möchte weniger gestresst sein, ich möchte meine Kinder mehr geniessen und noch viele weitere.


Kennst du sie, diese Vorsätze, die alles besser machen sollten? Vorsätze damit wir Eltern weniger Schuld fühlen? Und dann noch mehr Schuldgefühle, wenn es nicht so funktioniert, wie wir es uns gewünscht haben?

Die schlechte Nachricht ist, Schuldgefühle kommen mit dem Elternsein und die gute Nachricht ist, sie sind normal.

Die schlechte Nachricht ist, Schuldgefühle kommen mit dem Elternsein und die gute Nachricht ist, sie sind normal. Kinder lösen in uns Eltern viele Emotionen aus. Emotionen von Mitgefühl, Fürsorge, Alarm, Frustration und eben auch Schuldgefühle. Schuldgefühle zeigen uns, dass etwas, für das wir Verantwortung tragen, nicht so funktioniert, wie wir es uns vorstellen. Wir machen uns Vorwürfe. Gleichzeitig sagen wir uns und hören es auch von anderen Menschen, das musst du doch nicht, das passiert eben, du musst dir deswegen keine Schuldgefühle machen. Sind solche Botschaften hilfreich? Wohl eher nicht, auch wenn sie sicherlich gut gemeint sind. Denn was passiert? Wir Menschen versuchen Schuldgefühle zu unterdrücken, doch unbewusst sind sie trotzdem da.


Gäbe es vielleicht einen anderen Weg mit ihnen umzugehen? Aus den Neurowissenschaften weiss man heute, dass Emotionen immer einen Ausgang suchen. Es sind instinktive Impulse, die gemacht sind, uns zu bewegen. Sie funktionieren wie Elektrizität, aufladen, entladen. Versuchen wir Emotionen zu unterdrücken, werden sie explodieren oder implodieren. Geben wir ihnen aber einen Ausdruck, fassen sie in Worte und fühlen sie, können sie sich entladen. Gefühlte Emotionen helfen uns auch, Entscheidungen aufgrund unserer Werte zu treffen und nicht aus ungefühlten und unberechenbaren Impulsen. Es ist wesentlich für unsere emotionale Gesundheit, was für einen Umgang man mit den eigenen Emotionen hat.


Wie wäre es nun, wenn wir unseren Schuldgefühlen etwas Raum geben würden? Den Schmerz zulassen, ja ich fühle mich schuldig, weil ich nicht so gehandelt habe, wie ich es mir gewünscht habe. Ja es schmerzt mich, dass ich es nicht geschafft habe, meinem Vorsatz treu zu bleiben. Oder ja ich fühle mich zwar schuldig, bin aber nicht mit diesen Schuldgefühlen einverstanden, es macht sich wohl eine Prägung bemerkbar. Da darf ich hinschauen. Bekommen Emotionen Raum, treten sie als Gefühle in unser Bewusstsein und brauchen viel weniger Platz. Was nicht heissen muss, dass wir unseren Vorsatz in jedem Fall über Bord werfen, sondern dass wir dadurch loslassen und jeden Tag wieder neu beginnen können. Denn was sein darf, kann sich verändern.


Ein weiterer „Effekt“ ist, dass wir Erwachsene durch das Fühlen von dem, was wir nicht ändern können, reifen. Unsere Kinder geben uns so viele Gelegenheiten, Vergeblichkeit in unseren Leben zu fühlen. Das ist sehr schmerzhaft, doch durch die Adaption, also die Anpassungsfähigkeit an Dinge die wir nicht ändern können, reifen Menschen. Adaption führt zu Resilienz. Resilienz ist die Fähigkeit nach Krisen wieder auf die Beine zu kommen und sie zum Anlass für Wachstum zu nutzen.


Zu überlegen wäre auch, sind die Vorsätze, die ich mir gemacht habe, denn überhaupt gesund oder vielleicht sogar toxisch? Anstelle von: ich möchte weniger schimpfen, wäre es vielleicht besser zu fragen, warum bin ich so frustriert, was steckt dahinter? Ein Vorsatz würde dann vielleicht lauten: ich möchte ergründen, warum mich die Situation triggert. Mit Neugier auf sich selbst zu blicken, hilft sich auf einen tieferen Prozess einzulassen und barmherzig mit sich selbst zu sein.


Ja Eltern sein bietet eine Reise zu uns selbst. Lassen wir uns auf die Reise ein, wird sie Wachstumsschmerzen beinhalten und gleichzeitig viele Früchte bringen wie eben Resilienz und Geduld.


Wir können auch unsere Kinder in ihrer Reifwerdung unterstützen. Was sie dafür brauchen, sind wir Eltern. Eine sichere Bindung, sich willkommen, nahe und angenommen zu fühlen in der Gegenwart der Eltern, ist das grösste Bedürfnis der Kinder. Können wir Eltern unseren Kindern diese sichere Bindung geben, setzen wir den Nährboden für gesundes Wachstum. Kinder reifen da, wo sie in der Beziehung zu uns ruhen können, wo Emotionen Raum haben, denn sie sind der Antrieb für ihre Reifwerdung und wo Raum für echtes Spiel besteht.


In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein Jahr voller Abenteuer mit euren Kindern, Mut hinzuschauen und Barmherzigkeit mit euch selbst. Herzlich Larissa



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